deutsch english

Baumwelten 2015

Durch die Erneuerung der St. Sebastianallee in Pettneu am Arlberg wurden im Mai 2015 die 130 Jahre alten Bergahornbäume gefällt.

Trotz des hohen Alters der Bäume wurden sie nicht größer als 3 m (Normalhöhe in diesem Alter ca. 20 m), da sie über die ganzen Jahre immer wieder radikal gestutzt wurden. Dadurch ergab sich diese gedrungene, faltige und knorrige Wuchsform, so ähnlich wie bei Bonsaibäumen. An den knollenartigen Auswüchsen ist ebenso erkennbar, dass es sich hierbei um Vogelaugenahorn handelt, welcher relativ selten ist. Des Weiteren beeinflussten Baumpilze und Baumfäulnis die Oberfläche, Struktur und Farbgebung des Holzes.

Für uns war wichtig, diese imposanten und einzigartigen Bäume nicht bis zur Unkenntlichkeit zu verändern, da die Natur hierbei schon Beachtliches geleistet und ein außergewöhnliches Kunstwerk erschaffen hat. Unsere Idee dahinter war, diese Schönheit noch hervorzuheben und zu betonen, so weit dies überhaupt möglich ist. In mühevoller Arbeit haben wir die Rinde entfernt, um die darunter liegende Struktur freizulegen. Schnell wurde ersichtlich, dass oftmals die Schönheit im Inneren, im Verborgenen liegt, und obwohl manchmal auf den ersten Blick nicht sichtbar, trotzdem da ist. Unter dieser schützenden, robusten und festen Rindenschicht, wurde von uns die verletzliche, zarte, faltige Oberfläche der Bäume freigelegt. Zum Vorschein kam ein mächtiges, mystisches und vorallem äußerst lebendiges Kunstwerk. Die entblößten Bäume erinnern stark an etwas Menschliches und an nackte Haut. Bei unseren „Baumwelten“ lässt sich das hohe Alter aufgrund der faltigen Oberfläche schnell erahnen, doch kurioserweise wirkt dieses hierbei, im Gegensatz zum menschlichen Altern, sehr anziehend auf den Betrachter. Wir Menschen versuchen die Falten zu kaschieren und graue Haare zu färben, um möglichst lange ein junges, äußeres Erscheinungsbild zu bewahren. Dabei sind es genau diese Dinge, die einen attraktiver und interessanter machen.

 

Zusammenarbeit mit Sandra Brugger